Wieder einmal bin ich über eines dieser zahlreichen Angebote gestolpert: „Webseite zum garantierten Festpreis“. Ich mache das nicht so und weigere mich, solche Angebote zu erstellen. Ich will kurz darstellen, warum das so ist:

Grundsätzlich macht jeder Webdesigner die Erfahrung, dass potentielle Kunden darauf fixiert sind, einen möglichst geringen finanziellen Aufwand in einen Webauftritt zu investieren. Das ist von der Seite des Kunden her verständlich und gerade ein neu gegründetes Unternehmen hat in aller Regel ein arg knapp bemessenes Budget. Von der Seite des Webdesigners her ist ein solcher Kundenwunsch zwar verständlich, aber es wird schnell ruinös und existenzbedrohend für den Auftragnehmer, wenn er sich darauf einlässt.

Wer Erfolg mit einer Webseite haben will, muss professionelle Wege gehen - und professionelle Webseiten gibt es nicht zum Schnäppchenpreis.

Kunden sind oft überrascht, dass eine Webseite nicht für’n Appel und ein Ei zu haben sind. Kunden wissen aber auch nicht einzuschätzen, welch Aufwand hinter vermeintlich einfachen Funktionen einer Webseite stecken können. Kunden denken, auch wenn es um Webseiten geht, an Gestaltungen auf Papierdokumenten - aber Webseiten sind nun mal keine Plakate im Internet.

Um Kunden für einen Auftrag über den Preis zu gewinnen, bieten viele Webdesigner Festpreise an. Festpreise geben dem Kunden Planungssicherheit und das ist sicher auch ein berechtigtes Anliegen. Und so bin ich wieder einmal über ein Festpreisangebot gestolpert - hier bot die Kollegin eine Website zum garantierten Festpreis von rund € 2500,00 an. Immerhin mag das eine realistische Preiseinschätzung für einen durchschnittlichen und eher basalen Webauftritt sein. Nahezu lächerlich wird es aber, wenn solche Festpreise dann bei meinetwegen € 250,00 liegen - leider sind hier die Mehrzahl der üblichen Festpreisangebote angesiedelt

Ein Festpreis basiert auf der Annahme, dass eine ordentliche Planung alle Unwägbarkeiten berücksichtigen kann. Es ist aber gar nicht möglich, alle Unwägbarkeiten in den Auftrag zu schreiben und so kalkuliert der Webdesigner von vornherein einen deutlichen Kalkulationsaufschlag in sein Angebot.


Die Folge: Das Festpreisangebot wird teurer.

Eine andere Folge: Die Erstellung einer Webseite ist keine hundertprozentig voraussagbare Angelegenheit. Hinter Webdesign steht ein kreativer Prozeß, der sich im Laufe eines Projekts ändern und anpassen wird. Die wenigsten Kunden wissen von Anfang an genau, was sie wollen und so wird man einen Webauftritt im Dialog mit dem Kunden entwickeln. Und plötzlich ist aus der zweiseitigen Webvisitenkarte ein mehr oder minder umfassender Webauftritt mit allen möglichen Funktionen geworden. Habe ich ein Festpreis-Angebot für ein solches Projekt vereinbart, wird es schwierig, dem Kunden zu vermitteln, dass ich den Preis teilweise nach oben korrigieren müsste um meinen tatsächlichen Aufwand abzubilden.


Der Ärger ist vorprogrammiert.

Eine Website zum Festpreis bedeutet für den Webdesigner immer, dass er in eine wirtschaftliche Bredouille kommt, wenn der Kunde Nachbesserungen und Ergänzungen wünscht. Und ich garantiere: der Kunde wünscht immer Nachbesserungen, Änderungen und Ergänzungen.

Mal abgesehen davon, dass eine Webseite nicht für € 250,00 machbar ist (es sei denn, ich produziere vorgefertigten Müll), können fixe Preise für ein Webprojekt im schlimmsten Fall das wirtschaftliche Aus für den Webdesigner bedeuten. Mindestens aber ist es Selbstausbeutung.

Das einzige, was ich einem Kunden ohne eigenes wirtschaftliches Risiko anbieten könnte, ist eine vorgefertigte Vorlage, in die ich die vom Kunden angelieferten Inhalte Einpflege. Das hat dann aber mit individuellem Webdesign nichts mehr zu tun.


Die ärgerfreie Alternative:

Aus gutem Grund: Ich biete nur Webseiten nach Aufwand an. Sicher, auch mein Angebot basiert auf einer groben Abschätzung des Aufwandes für ein mehr oder minder klar umrissenes Projekt, aber dieses Angebot wird nie auf einem Festpreis für bestimmte Arbeitsschritte gründen, sondern basiert immer auf dem für die jeweiligen Arbeitsschritte zu erwartenden Zeitaufwand.

Die Arbeitsschritte versuche ich im Angebot möglichst detailliert zu beschreiben - so mancher Kunde ist angesichts einer solchen Aufstellung überrascht, wie viele Arbeitsschritte und damit auch Zeit ein Webprojekt doch benötigt. Solch ein Vorgehen macht den Produktionsprozess verständlich und transparent. Und sollte der Zeitrahmen überschritten werden, kündige ich das rechtzeitig an, damit sich der Kunde darauf einstellen kann und ggfs. seinen Auftrag anpassen kann.

Am Ende bleibt ein Mittelweg, mit dem beide leben können. Auch ohne Festreis.