Ich hatte sehr auf Version 4 darauf gehofft, denn das Konzept von Luminar gefällt mir gut. Es ist perfekt auf den nicht allzu ambitionierten, aber doch anspruchsvollen Laien zugeschnitten.

Richtige Leckerli dieses Programmes sind die intelligenten Funktionen, die es so in anderen Programmen nicht gibt: Austausch des Himmels, Überarbeiten von Porträts, Einfügen von Sonnen, wo keine sind. Das ist schon ziemlich gut umgesetzt.

Ich hatte nach meinem ersten Beitrag zu Luminar 4 nun reichlich Zeit, das Programm zu testen. Und eigentlich hatte ich ernsthaft einen Umstieg auf eine neue Art der Bildverwaltung und -bearbeitung vor.

Aber es hapert an allen Ecken und Kanten.


Mangelnde Performance

Das vordergründige Problem ist einmal die mangelnde Performance. Bei manchen Anwendern funktioniert Luminar halbwegs performant, aber die meisten (auch ich) erleben gehörige Performanceeinbußen. Jede Aktion dauert, anspruchsvollere Dinge dauern ewig. An Stapelbearbeitung ist nicht zu denken. Der Export in JPG kann (auch bei guter Hardwareausstattung) schon mal eine ganze Minute dauern. Wie gesagt, es gibt Anwender, die bei vergleichbarer und auch schlechterer Hardware bessere Erfahrungen machen. Keine Ahnung woran das liegt - und das Argument, ich hätte einen verbastelten oder zu schwach ausgestatteten Rechner kann ich nicht stehen lassen.


Rudimentäre Bibliotheksfunktion

Das andere Problem ist die Bibliotheksfunktion. An sich eine gute Idee, aber das ganze ist viel zu rudimentär angelegt. Keine Verschlagwortung, kein Löschen oder Verschieben in Luminar etc. (das muss alles außerhalb erfolgen). Das Verschieben von Katalogen z.B. von interner auf externe Festplatte ist eine Qual. Die eingelesenen Verzeichnisse werden hin und wieder falsch abgebildet, es gibt leere Einträge, die nach dem nächsten Programmstart verschwunden sind (oder auch nicht).

Als wirklich ernsthafte Bildverwaltung ist das Programm so nicht zu gebrauchen.


Qualität der Bildbearbeitung

Was die eigentliche Bildbearbeitung angeht: Hier streiten sich die Nutzer. Einige berichten von Vergleichstests, bei denen Luminar gegenüber den Konkurrenten hinten runter fällt, es käme zu chromatischen Aberrationen, die Bilder wären durch die Bank überschärft, die Objektivkorerktur mangelhaft etc. Ich selbst kann das so nicht nachvollziehen, aber das liegt vielleicht auch an meinem eher laienhaften Anspruchsniveau.


Ursachenforschung

Wo die Ursachen der mangelnden Performance liegen, kann ich nicht sagen. Aber was auffällt: Dort, wo ich meinen Katalog abgelegt habe, liegt nun ein Verzeichnis .../History/. Darin werden wohl alle Bearbeitungen gespeichert.

Nun habe ich bislang vielleicht 200 Bilder mit Luminar 4 bearbeitet und in diesem Verzeichnis liegen bereits über 7000 Einzeldateien und in einem Unterordner noch einmal ein Haufen Bilddateien. Insgesamt hat dieses Verzeichnis bereits jetzt ca. 2,5 GB.

Wenn ich das mal auf meinen Bildbestand von ca. 10.000 Bildern hochrechne, werden dort am Ende 350.000 Einzeldateien liegen mit einer Größe des Verzeichnisses, die gegen 125 GB geht.

Das wird nicht funktionieren. Das funktioniert jetzt schon nicht richtig und ich verstehe nicht, warum das Luminar nicht genauso macht wie andere vergleichbare Programm, die ihren Bestand an Bearbeitungsdateien auf zahlreiche Unterordner aufteilen.


Und die ganzen Influencer auf Youtube...?

Auf Youtube finden sich ein paar Kanäle, die Reviews zu Luminar 4 verfasst haben. Im Regelfall findet sich hier Begeisterung pur. Ich jedenfalls kann diese Begeisterung nicht nachvollziehen und was ich in einschlägigen Facebook-Gruppen mitbekommen habe, bin ich mit meiner Meinung nicht alleine. Bei manchen funktioniert es, bei vielen aber nicht.


Fazit

Gute Idee hinter dem Programm. Falsch umgesetzt und das ganze garniert mit viel Marketiggewäsch. Das mit den wegfallenden Dauerkosten weil es kein Abo sei, ist eine Augenwischerei, denn einmal im Jahr kommt ein käuflich zu erwerbendes Update auf die nächste Version raus.

Was ich nicht verstehe: Skylum, ehemals macPhun hat mal richtig gute Programme (Tonality, Intensify, Snapheal, Noiseless) gehabt. Nun haben sie deren Features alle in Luminar zusammengefasst und das ganze wird schlecht.

Vielleicht wird Luminar 6 oder 7 gut. Vorher scheint das Programm als Stand-alone-Lösung nicht ernsthaft zu gebrauchen (als Plugin ist es im Moment nutzbar, aber dann fehlt die so groß angekündigte und beworbene Bibliotheksfunktion). Ich bin wieder zu Capture One zurück, auch wenn dessen Möglichkeiten für mich Overkill sind.

Schade. Geld in den Wind geschossen.