Luminar ist vor ein paar Tagen in Version 4 auf den Markt gekommen. Luminar wurde von Skylum (vormals MacPhun) entwickelt und hatte ein paar richtig gute Vorgänger, die allerdings nicht mehr über deren Webseite vertrieben werden. Im AppStore tauchen ein paar dieser Basisversionen noch auf, wenn du das Suchwort MacPhun eingibst.

Intensify, Tonality, aber auch Noiseless und Snapheal waren Werkzeuge, die manchem gestandenen Boliden etwas vormachen konnten. Deren Funktionen sind in das neue Luminar eingeflossen:

  • Entwicklung von RAW-Dateien, aber auch Bearbeitung von JPGs mit Hilfe differenzierter Bildbearbeitungswerkzeuge, aber auch abgekürzte Wege mit Hilfe von vorinstallierten Filtersets (in Luminar 4 heißen sie "Looks")und auch mit der Möglichkeit, mit individuellen Filtern zu arbeiten
  • Es gibt Hervorragende Möglichkeiten zur Entfleckung und Entrauschung digitaler Bilder, aber auch zur Entzerrung und zur Ausrichtung und Beschneidung von Bildern
  • Und du hast Möglichkeit mit Ebenen zu arbeiten, Möglichkeit zur Maskierung und und und...

Ein paar Automatisierungswerkzeuge (v.a. AI Accent und AI Sky Enhancer, aber auch spezielle Porträt-Werkzeuge) und die Option, mal eben so nebenbei mit gutem Ergebnis den Himmel auszutauschen unterscheiden Luminar von anderen Bildbearbeitungsprogrammen. Das sind alles Aufgabenstellungen, die mit klassischen Bildbearbeitungsprogramme nur mit vielen Arbeitsschritten und einem gehörigem Maß an Kenntnissen zu bewältigen wären wären.

Luminar 4 bietet einen speziellen Kreativbereich, der es möglich macht z.B. einen eher langweilige Himmel durch effektvollere Himmelszeichnungen aufzupeppen; oder du baust in ein Bild ohne Sonne unkompliziert eine Sonne inclusive Sonnenstrahlen ein - auch das funktioniert erstaunlich gut. Genauso gibt es einen Nebelfilter, die Möglichkeit mit Texturen zu arbeiten und anderes mehr.

Diese Automatisierungswerkzeuge mögen einem klassischen Bildbearbeiter erst einmal die Haare zu Berge stehen lassen, aber er sollte einfach akzeptieren, dass künstliche Intelligenz mittlerweile erstaunlich gute Ergebnisse bringt. Und letztlich muss man diese Automatismen ja auch nicht nutzen.

Trotzdem: Angesichts der zunehmenden Erfahrungen von Hobbyanwendern, die diese Automatisierung der Bildbearbeitung von unzähligen Smartphone-Apps kennen, wird das sicher der kommende Trend sein. Der klassische und professionelle Bildbearbeiter hat sicher einen ganz anderen Bedarf, aber Luminar kann zumindest in Teilen einem professionellen Anspruch genügen.

Ob man aber bereits von "Bildbearbeitung auf einem neuen Level" (O-Ton Skylum) sprechen kann, lasse ich mal dahin gestellt. Das Konzept ist gut, es war schon bei Version 3 gut. Nur: Es hapert trotz aller Automatisierung und des guten grundsätzlichen Workflows noch immer an der Umsetzung:

  • Die Voransichten der RAWs laden langsam
  • Viele Bearbeitungsschritte sind langsam, das mag z.T. an der Komplexität der Prozesse liegen, die gerade bei den automatisierten Anpassungen im Hintergrund ablaufen
  • Die Thumbnails in der Bibliotheksansicht sind quietschebunt - das muss nicht sein und entspricht nicht dem tatsächlichen Aussehen der Bilder
  • Der Export von Bildern ist vergleichsweise langsam
  • Die Bildverwaltung ist eher rudimentär und auf Grundbedürfnisse ausgerichtet - vielen werden die Möglichkeiten aber ausreichen

Bibliotheksfunktion von Luminar 4

Zurück zur Praxis des Arbeitens mit Luminar:

Du kannst vorangelegte Filtersets ("Looks") nutzen, du kannst Filtersets hinzukaufen oder du kannst dir eigene Filtersets zusammenstellen. Das macht das Arbeiten sehr schnell und die Resultate sind durchaus akzeptabel.

Du kannst aber auch "klassisch" und Schritt für Schritt arbeiten. Dabei sind die Filter in Luminar 4 so angeordnet, dass du sie im Prinzip von oben nach unten abarbeiten kannst - das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber Version 3, auch wenn jene, die nun ein Update machen, erst einmal suchen müssen, was sie wo finden, denn die Oberfläche ist überarbeitet worden.Luminar 4: Bildbearbeitung mit AI Enhancer

Einige dieser Dinge waren bereits in Luminar 2018 gut umgesetzt. In Version 3 kam eine Bildverwaltung hinzu und die Möglichkeit zur verlustfreien Bearbeitung von Bildern. Leider lief das nicht so gut wie es das Marketing von Skylum versprach und so mancher hat mit Version 3 nicht viel anfangen können.

Luminar 4 gibt es in einer macOS- und einer Windows-Version. Und du kannst Luminar sowohl komplett Standalone-Programm mit oder ohne Bibliotheksverwaltung, aber auch als Plugin für diverse EBV-Programme nutzen. Ob die Bibliotheksverwaltung wirklich zuverlässig ist, wird sich zeigen - ich bin momentan nach dem Luminar-3-Desaster mit meinem Urteil noch etwas vorsichtig.

Luminar 4: Bildbearbeitung mit künstlicher Intelligenz

Meine Bibliothek mit über 10.000 Fotos liest Luminar klaglos ein, aber ich frage mich, ab wieviel Bearbeitungen das Programm in die Knie gehen wird. Hier gibt es nämlich das Problem, dass (zumindest in macOS) alle Einstellungsdateien in einem einzigen Ordner gespeichert werden. Ich fürchte, das geht irgendwann schief.

In Luminar 4 ist die Bildverwaltung aber trotz aller Skepsis endlich halbwegs brauchbar und Version 4 arbeitet insgesamt auch hinreichend schnell. Es ist aber (noch) keine Bibliotheksverwaltung, die wirklich anspruchsvollen Erwartungen gerecht werden kann, dazu fehlt die Möglichkeit zum Verschlagworten, es fehlt eine Anzeige der EXIF-Daten, es fehlen Filterfunktionen, es fehlen Möglichkeiten zum Umbenennen von Bildern im Batch-Modus etc. Für den Hobbybereich reicht es möglicherweise.

Luminar 4: Schwarz-Weiß-Konvertierung

Es sollte klar sein, dass diese komplexen Arbeitsroutinen, die auf künstlicher Intelligenz beruhen, nicht ganz so schnell arbeiten, aber hier passiert halt auch unglaublich viel im Hintergrund, was du dir ansonsten mühsam erarbeiten müsstest. Die Ergebnisse können sich jedenfalls sehen lassen.

Ob Luminar die Bildbearbeitung der Zukunft einläutet, wird sich zeigen. Grundlegende Fehler, die Skylum mit Luminar 3 gemacht hatte, scheinen behoben zu sein aber um ein wirklicher Lightroom-Killer zu werden muss Skylum noch nachlegen.

Luminar 4: Arbeiten mit Filtersets


Fazit:

Die Bildbearbeitungsfunktionen sind einwandfrei, die Automatisierungsfunktionen in dieser Weise konkurrenzlos und mit erstaunlich guten Ergebnissen. Die Arbeitsgeschwindigkeit ist ausbaufähig. Die Bibliotheksfunktion funktioniert (im Moment), aber ich vertraue ihr nicht und sie ist in ihren Möglichkeiten begrenzt - ich hoffe hier wird noch nachgebessert. Als Stand-alone-Programm ist es in jedem Fall sein Geld wert.

Es lohnt sich, das Programm anzuschauen:

"Luminar 4 bringt die Bildbearbeitung auf eine neue Ebene"