Was haben diejenigen, denen ein Mac Mini zu klein und ein iMac nicht modular genug war auf einen neuen Mac Pro gewartet. Nun ist er also endlich da, der neue Mac Pro. Garniert von einem Monitor der Superlative und einem Standfuß, dessen Preisgestaltung offensichtlich von Cartier vollzogen wurde. Superlative bedarf einer angemessenen Preisgestaltung.

Wie auch der Bugatti ist der neue Mac Pro ein faszinierendes Stück Technik. Beide bieten Leistung satt, beide sind hässlich wie die Nacht, beide sind schweineteuer und komplett am alltäglichen Bedarf vorbei konzipiert - auch am gehobenen Bedarf vorbei. Ja, es mag Leute geben, die brauchen so etwas tatsächlich und für die spielt es keine Rolle, ob sie nun € 10.000, € 20.000 oder gerne auch mehr für eine individuell anpassbare Workstation hinlegen. Da unterscheidet sich der Mac Pro immerhin vom Bugatti, denn letzteren braucht am Ende wirklich kein Mensch. Ganz sicher.

Und in noch etwas unterscheidet sich der Mac Pro vom Bugatti: Niemals würde man ihn in einer Grundkonfiguration mit einem nur 15 l fassenden Tank anbieten. Apple bietet den Mac Pro mit einer 256 GB SSD an. Das nenne ich Mut.

Die Zahl derjenigen, die beim neuen Mac Pro zugreifen werden oder können, ist erlesen. Vor den Kopf gestoßen fühlt sich hingegen die breite Masse derer, die auf einen bezahlbaren, hinreichend leistungsfähigen und in Eigenregie individuell ausstattbaren Rechner oberhalb des Mac Mini gewartet haben. Ein Gerät, das eine würdige Nachfolge des Mac Pros von 2006 hätte antreten können (schon der Papierkorb-Macs war konzeptionell mehr als zweifelhaft - immerhin war er durchaus ästhetisch).

Herausgekommen ist nun ein Rechner, der einem bekannten Küchengerät ähnlicher sieht denn je. Und das neue, unzweifelhaft hochleistungsfähige Display ist genauso an den Erwartungen der meisten vorbei konzipiert.

95% der Nutzer brauchen diese Dinger nicht. Und wirklich niemand braucht ein Auto, das 8 l Hubraum hat, 420 km/h fahren kann und dabei mindestens 30 l/100 km säuft.

Aber vielleicht 10 oder gar 20% der Apple-Nutzer warteten auf ein modular aufgebautes Pro-Gerät zu einem für Apple-Anhänger „vernünftigen“ Preis.

Sie wurden enttäuscht.


Und dann der neue Mac Mini

Irgendwie ist der neue MacMini auf der WWDC völlig untergegangen. Deshalb reiche ich diese Infos mal nach:

Alles ist bei diesem allerneusten Aufguss des Mac Mini nicht nur verklebt, sondern das gesamte Innere ist mit Kunstharz ausgegossen. Die SSD ist auf 32 GB beschränkt, Nutzerdaten werden komplett in die iCloud ausgelagert. Alternativ kann der Nutzerordner auf eine externe Festplatte ausgelagert werden, die über einen neuen Anschluss namens „Lightning Minimac“ angeschlossen werden kann (hierfür sind Adapter erhältlich, mit denen man auch USB-Platten nutzen kann).

Das macOS ist festinstalliert und kann nicht vom Nutzer aktualisiert werden, alternativ bietet Apple bei OS-Updates ein Austauschprogramm: Gegen Zahlung einer Pauschale von € 1200 bekommt man einen Refurb-MacMini mit aktualisiertem OS. Wartungsupdates sind geringfügig preiswerter.


Spaß beiseite:

Es handelt sich bei Apples Strategie um eine groß angelegte Sozialstudie, die überprüfen soll wie dreist man Preise erhöhen kann bevor das ganze implodiert. Das iPhone X und seine Derivate zeigen allerdings deutlich, dass wir noch weit von diesem Punkt entfernt sind. Auch ich benötigte dringend ein solches Ding und zahlte bereitwillig vierstellig.

Es handelt sich dabei um so eine Art Milgram-Experiment für den digitalen Markt.


Was fehlt:

Ein modularer und vom Nutzer ausbau- und anpassbarer Rechner, der oberhalb des Mac Mini und unterhalb des aktuellen Mac Pro angesiedelt ist. Und komm mir jetzt bitte nicht mit dem iMac Pro...

Ein würdiger Nachfolger des Thunderbolt-Displays (der Ausflug über LG-Monitore war ja wohl nichts und die Dinger sind ja auch sang- und klanglos aus dem Apple Store verschwunden).

Eine Übertragung des Touchbar-Konzepts auf stationäre Rechner. Es kann doch nicht sein, dass ich auf dem MacBook eine Touchbar als wichtiges Hilfsmittel aufgenötigt bekomme und beim Desktop-Keyboard muss ich darauf verzichten.

Ein Einsteiger-MacBook, das diesen Namen auch verdient - sowohl preislich wie auch ausstattungsmäßig.

Ein MacBook Pro mit einer Tastatur, die dem Preis angemessen ist.

Aperture aka Fotos Pro.

#mimimi


Was gut werden wird:

MacOS Catalina und iPadOS.